Vitaminbedarf im Alter

Herr L. B., 82 Jahre, klagte über eine allgemeine Schwäche, Neigung zu blauen Flecken und Entzündungen der Mundwinkel. Auffallend war eine geistige Verlangsamung und eine gedrückte Stimmung, die ein oberflächlicher Betrachter wahrscheinlich als Altersschwachsinn abgetan hätte. Da ein Mangelzustand vermutet wurde, erhielt er Vitamine: Zunächst Vitamin-B-Komplex, Folsäure, Vitamin D, K und C sowie Selen als Injektionen sowie zum Einnehmen ein Multivitaminpräparat und natürliches Vitamin E. Außerdem erhielt er eine gesunde Kost mit viel passierter Rohkost und Eiweiß.
Es war erstaunlich, wie schnell sich sein Zustand besserte. Bereits nach einer Woche wirkte er viel vitaler und wacher. Die Entzündung der Mundschleimhaut heilte ab und er bekam keine blauen Flecken mehr. Nach 4 Wochen war er ein anderer Mensch. Was war passiert?

Ältere Menschen leiden oft unter Mangelzuständen durch eine Fehlernährung.
Sie essen weniger - auch weniger Vitalstoffe - und sorgen nicht für Ersatz!
Ältere Menschen brauchen weniger Energie (Kalorien), weil sie sich weniger bewegen, weniger Muskeln und einen geringeren Grundumsatz haben. In Gesellschaft ißt man mehr - alte Menschen sind aber oft allein und das Essen schmeckt dann nicht.
Auch die Nebenwirkungen der vielen Medikamente schlagen auf den Appetit.

Geldmangel, Krankheit, veränderte Körperfunktionen und psychologische Faktoren können eine Rolle spielen. Wenn die Zähne fehlen und die Senioren nicht mehr richtig abbeißen und kauen können, nehmen sie weniger von manchen Nährstoffen auf. Dieser Mangel kann wiederum die Mundschleimhaut schädigen - der Essvorgang wird noch mühsamer. Auch der alte Darm kann manche Nährstoffe nicht mehr ausreichend aufnehmen.

Eine Fehlernährung verändert den Körperbau - weniger Calcium und Vitamin D führt zu Knochenschwund. Weniger Eiweiß und mangelnde Übung der Muskulatur resultiert in Muskelschwund. Mehr Fett in der Nahrung vermehrt die Fettpolster und Rettungsringe.
Zuviel Salz führt zu Bluthochdruck, Wassereinlagerungen und Osteoporose.

Diese Veränderungen des Körpers im Alter sind weniger Folge des Altersprozesses.
Sie sind Folge einer falschen Ernährung, einer mangelnden Übung der Muskeln und Gelenke und unserer ungesunden Lebensweise. Auch Herzkrankheiten, Diabetes, Krebs und Bluthochdruck müssen nicht zwangsläufig mit dem Alter kommen. Bei Naturvölkern ist im Alter sowohl das Körpergewicht als auch der Blutdruck normal. Die Alten sind schlank und haben eine bessere Muskelmasse.

Eiweiß
Im Alter ist der Proteinbedarf pro Kilogramm höher als in der Jugend.
Normalerweise werden im Alter 0, 8 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht benötigt um eine positive Stickstoffbilanz zu ermöglichen. Wenn alte Menschen körperlich aktiv sind, kann der Eiweißbedarf sogar noch höher sein.

Vitamin A
Anders als bei anderen Vitalstoffe verbessert sich die Vitamin A Versorgung im Alter.
Alte Menschen haben in der Leber große Vitamin A Reserven angesammelt und haben normale Vitamin A Spiegel im Blut.

Vitamin D
An der Herstellung von Vitamin D sind viele Organe beteiligt - die Haut, die Niere und die Leber. Die Fähigkeit der Haut durch Sonnenbestrahlung das Provitamin D3 zu bilden nimmt mit dem Alter ab. Die alternde Niere kann weniger gut die aktive Form von Vitamin D aus der in der Leber gebildeten Vorstufe herstellen. Auch die Aufnahme über den Darm ist im Alter beeinträchtigt. Im Alter werden 6 - 12 µg benötigt. Alte Menschen sollten darauf achten, sich im Sommer der Sonne auszusetzen und im Winter täglich 10 µg Vitamin D einnehmen. Personen, die ans Haus gebunden sind, im Altersheim oder Pflegeheim leben, sollten das ganze Jahr täglich 10 µg Vitamin D einnehmen.

Vitamin E
Alte Menschen nehmen im allgemeinen zu wenig Vitamin E auf. Der Plasmaspiegel nimmt im Alter ab. Vitamin E kann Altersvorgänge verzögern und chronischen Krankheiten vorbeugen, die durch freie Radikale verursacht werden. Vitamin E hat auch eine verjüngende Wirkung auf das Immunsystem. Bis zu einem gewissen Gras schützt Vitamin E vor Herzkrankheiten und vor grauem Star. Man sollte täglich 200 I.E. natürliches Vitamin E einnehmen.

Vitamin K
Im Alter nimmt der Vitamin K Spiegel im Blut ab. Dies kann ein Hinweis auf einen erhöhten Bedarf sein. Als Zeichen eines Mangels haben viele alte Menschen einen erniedrigten Prothrombinspiegel.

Vitamin C
Der Blutspiegel von Vitamin C nimmt im allgemeinen mit steigendem Lebensalter ab.
Alte Menschen scheinen einen höheren Bedarf von bis zu 100 mg am Tag zu haben.
Auch die geistige Leistungsfähigkeit kann bei älteren Menschen oft durch Einnahme von Vitamin C, Riboflavin, Folsäure und Vitamin B12 verbessert werden. Bei der Aufnahme von Vitamin C reichem Obst und Gemüse werden auch andere Substanzen aufgenommen,
z. B. Ballaststoffe, die den erhöhten Blutdruck und ein erhöhtes Cholesterin senken können. Bei hoher Vitamin C Aufnahme kommt es auch seltener zu Linsentrübungen. Vitamin C hilft auch bei Zahnfleischbluten und bei Erkrankungen der Mundschleimhaut.

Vitamin B6 - Pyridoxin
Ältere Menschen neigen besonders zu einem Vitamin B6 Mangel.
Zum Teil nehmen sie weniger auf, zum Teil wird das Vitamin schneller umgesetzt.
Pyridoxin (B6) ist notwendig für die Bildung von Eiweiß und Nukleinsäuren sowie für die Zellteilung. B6 - Mangel führt zu Entzündung der Haut an Gesicht, Nacken, Armen und Beinen, zu Entzündung der Mundschleimhaut, der Mundwinkel und der Zunge.
Ein B6 - Mangel verursacht schwere Störungen des Immunsystems.
Im Tierexperiment kommt es zu einer Gewichtsabnahme der Thymusdrüse und einem Mangel an weißen Blutkörperchen (Lymphozyten). Vitamin B6 ist ein besonders wichtiger essentieller Nährstoff für die Funktionsfähigkeit der Antikörperproduktion. Der Zuckerstoffwechsel wird beeinflußt.
Bei Mangel sind der Blutzucker und das Insulin im nüchternen Zustand erhöht.
Auch die Gehirnfunktion wird beeinträchtigt.

Folsäure
Viele ältere Menschen nehmen zu wenig Folsäure mit der Nahrung auf.
Da die Folsäure aber auch durch Darmbakterien gebildet wird, kommt es kaum zu einem Mangel. Trotzdem ist eine optimale Versorgung mit Folsäure wichtig.

Vitamin B12
Aus verschiedenen Gründen sinkt der Vitamin B12 Spiegel im Alter ab.
Der tägliche Bedarf beträgt 5 µg. Ältere Menschen haben einen erhöhten Bedarf.
Mangelzustände können bei einseitiger Ernährung und bei älteren Menschen mit Magendarmkrankheiten und besonders einer Magenschleimhautentzündung auftreten.
Die zu dünne Magenschleimhaut liefert nicht mehr genug von einem Hilfsstoff (Intrinsic factor), der zur Aufnahme von B12 im Darm nötig ist.
Auch bei übermäßigem Alkoholgenuß und bei der Einnahme von bestimmten Medikamenten (Folsäureantagonisten wie Zytostatika oder Antibiotika) kann es zu einem Mangel kommen.
Vitamin B12 ist nützlich bei der Therapie von Allergien und Asthma und verbessert bei alten Menschen die geistige Leistungsfähigkeit und manche psychiatrischen Erkrankungen.
Bei Magendarmkrankheiten und bei Blutarmut als Folge von Magenoperationen sowie im Alter muß das Vitamin B12 gespritzt werden. Regelmäßige Injektionen von Vitamin B12 von 1000 µg im Monat wird für ältere und leicht ermüdbare Personen sowie für Patienten mit depressiven Zuständen empfohlen.

Der Bedarf der B - Vitamine Thiamin, Riboflavin und Niacin ist im Alter nicht erhöht und wird im allgemeinen durch die Ernährung gedeckt.

Sekundäre Pflanzenstoffe
Vitaminpräparate sind kein Ersatz für frisches Gemüse und Obst. Darin sind viele spezielle Wirkstoffe enthalten. Sie sind wirksam wie Medikamente: Sie senken den Cholesterinspiegel, sie wirken entzündungshemmend, antibiotisch und krebshemmend. Auf sie kann niemand verzichten.
Wer rohes Obst und Gemüse nicht mehr kauen kann, muß es passieren oder entsaften.

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